Die Sage von den drei Schwestern

Es lebten einst drei Schwestern, die durch Erbschaft in den Besitz eines so großen Vermögens gekommen waren, daß sie den gemeinsamen Schatz an barem Gelde nicht zählen, sondern nur mit Hilfe eines Scheffelmaßes teilen konnten. Eine der Schwestern war blind, und dies Gebrechen benutzten die anderen, um Sie zu übervorteilen. Für sich selbst füllten sie das Hohlmaß jedesmal bis zum Rande, während sie, wenn die Reihe an die Blinde kam, dasselbe umdrehten und nur den flachen Boden mit Geldstücken belegten. Vor der Teilung waren sie übereingekommen, daß jede von ihnen eine Kirche bauen sollte, und die Bauplätze waren auf Anhöhen, von deren jeder man auch die beiden anderen sehen konnte, bereits ausgewählt. Als nun die Blinde merkte, daß sie von ihren Schwestern betrogen worden war, verwünschte sie dieselben und sprach die Prophezeiung aus, daß die von dem unrecht erworbenen Gute erbauten Gotteshäuser keine Dauer haben, sondern bald wieder  zerfallen würden. Und so ist es gekommen. Die beiden Kirchen auf dem Nazarienberg bei Mommenheim und auf dem Petersberg bei Gau-Odernheim liegen längst in Trümmern, während die von dem schmalen Erbteil der Blinden erbaute auf der Anhöhe bei Udenheim noch heutigen Tages steht.