• Wussten Sie schon?

Fakten und Wissenswertes aus der Mommenheimer Geschichte

Mummerum

Eine der Theorien zur Herkunft des Namens Mommenheim gibt an, dass hier das Heim des Muomo war. Seit der ersten schriftlichen Erwähnung des Ortes wurde der Name unterschiedlich geschrieben: 764 Momenheim, 765 Mumenheim, 766 Mominheim, 771 Momonheimo, 786 Muomenheim, 812 Muomonheim, 1145 Mummenheim, 1248 Muminheim, 1299 Momminheim, 1485 Mominheim, 1519 Mommernheim.

Der mundartliche Ausdruck Mummerum zeigt noch die ursprüngliche Herkunft.

Die verschwundene Kirche

Auf dem Nazarienberg in der Gemarkung Mommenheim stand einst die Nazariuskirche. Sie wurde nach dem Heiligen Nazarius benannt, dessen Gebeine im Jahr 765 ins Kloster Lorsch kamen. Die Kirche wird unter anderem im Jahr 1194 in einer Urkunde erwähnt, wo das Domkapitel in Mainz bestätigte, dass der Domkapitular und Probst am St. Johannisstift, Ruggerus, der ein zu der Nazariuskirche gehöriges Gut in Mommenheim gekauft hatte, nach dem Weggang des damaligen Pfarrers Emircho einen Nachfolger zu bestellen hatte. Die Kirche war bis ins 14. Jahrhundert eine berühmte Wallfahrtskirche. Im 30-jährigen Krieg wurde die Kirche zerstört und nicht wieder aufgebaut. Heute ist von der Kirche an der Erdoberfläche nichts mehr zu sehen. Der Weinbergsturm liegt aber sehr wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe zum alten Kirchenstandort.

Bedingt durch die jeweilige Lage auf einer Bergkuppe kann man von den drei Kirchenstandorten in Mommenheim, Gau-Odernheim und Udenheim jeweils die beiden anderen Kirchen bzw. Kuppen sehen. Hierüber rangt sogar eine Sage:

Die Sage von den drei Schwestern

Der Kaiser in Mommenheim

Im Jahr 1024 fand auf dem Königsstuhl im Lörzweiler Feld die Wahl von Kaiser Konrad II statt. Hierzu wurde auch in Mommenheim ein großes Feld-Zeltlager aufgestellt. Ein weiteres Lager wurde im Jahr 1184 anlässlich des Hoftages von Friedrich Barbarossa in Mainz errichtet.

Burgen in Mommenheim

Für das 14. Jahrhundert sind 3 Adelssitze bzw. Gutshöfe - sogenannte Burgen  - für Mommenheim belegt:

Obere Burg: Die am Weiherborn bzw. am Fuß des Nazarienberges gelegene Burg gehörte den Rittern von Fülleschlüssel. Die Namen Burggarten und Weiherborn erinnern noch daran.

Mittlere Burg: Diese Burg stand am Erbesgarten nach der Hohl hin und wurde von der Familie Schlüchtern von Scharpfenstein bewohnt.

Untere Burg: Die Burg im Unterdorf reichte von der Schanz bis zum alten Buckel.

 

Mommenheim und die Universität Mainz

Die Universität zu Mainz hatte seit 1781 bis mindestens Anfang des 20. Jahrhunderts ein eigenes Gut in Mommenheim - das Universitätsgut. Der Besitz stammte ursprünglich vom Karthäuserkloster in Mainz. Das erwirtschaftete Geld kam der Universität, verschiedenen Schulen und wissenschaftlichen Vereinen zu Gute.

Einwohner und Gewerbe um 1910

Um 1910 hatte Mommenheim 950 Einwohner, die überwiegend von Landwirtschaft, Obst- und Weinbau lebten. An Handel und Gewerbe waren folgende Betriebe bzw. Berufe vorhanden:

3 Bäckereien, 3 Metzgereien, 10 Gastwirtschaften, 5 Verkaufsläden, 4 Maurer, 2 Tüncher, 1 Zimmermann, 2 Schreiner, 2 Wagner, 2 Schmiede, 1 Spengler, 2 Küfer, 1 Sattler und Tapezierer, 4 Schuhmacher, 3 Schneider, 3 Barbiere, 5 Händler, 6 Makler und 2 Aufkäufer.

Jüdische Gemeinde

Auch in Mommenheim gab es mindestens seit Anfang des 18. Jahrhunderts Mitbürger jüdischen Glaubens. Diese waren Händler und Metzger von Beruf. Zeitweise gab es eine Synagoge. Am Nazarienberg hatte die jüdische Gemeinde einen eigenen Friedhof.

Am heiligen Baum

Der Flurname "Am heiligen Baum" (Heljenbaum) hat seinen Ursprung in einem Baum, der hier gestanden hat. Mit einem Stammumfang von 16 m soll es der größte Baum in der ganzen Gegend gewesen sein. Der über 500 Jahre alte Baum ist einem starken Sturm im Jahr 1848 zum Opfer gefallen.

Weinbau

Um 1910 waren 80 % der Weinbaufläche von Mommenheim mit der Rebsorte Silvaner bestockt. 10 % waren Rotwein. Die restlichen 10 % teilten sich auf die Sorten Riesling, Weinberger, Traminer, Ruländer, Gutedel, Portugieser und Frühburgunder auf.

Quelle

GRIMM, J. (1912): Ortsgeschichte von Mommenheim.- 140 S. + XX S., Druck von Ferd. Zipp Nieder-Olm, Selbstverlag der Kasse.

Die Bahn in Mommenheim

Ab dem 1.10.1896 konnte man Mommenheim mit der Eisenbahn erreichen. Der Bahnhof Mommenheim lag an der Nebenbahn Alzey - Bodenheim. Am 31.5.1985  wurde der Personenverkehr eingestellt. Der Streckenabschnitt zwischen Harxheim-Lörzweiler und Selzen-Hahnheim wurde noch bis Ende 1989 für den Zuckerrübentransport (über Alzey nach Offstein) genutzt. Heute befindet sich auf der ehemaligen Eisenbahntrasse ein Radweg. Der  Bahnhof wird von einer Baustoffhandlung genutzt und befand sich über Jahre in einem schlechten Zustand. Jedoch wird der Bahnhof derzeit restauriert.
Eine kurze Geschichte der rheinhessischen Nebenbahnen findet sich hier.
Eine Erzählung mit Bildern über die Zeit des Rübentransportes habe ich hier gefunden und Bilder von Akku(!!)-Triebwagen auf der Strecke Bodenheim - Alzey gibt es hier.

Die Rheinhessische Vereinigungsurkunde von 1822

Im Jahr 1822 wurde die Vereinigung der bislang getrennten evangelisch-reformierten und evangelisch-lutherischen Kirchen vom "Großherzog von Hessen und bei Rhein, als Staats-Oberhaupt und vermöge oberst bischöflicher Gewalt" genehmigt. Am ersten Weihnachtstag 1822 wurden in den evangelischen Kirchen in Rheinhessen Vereinigungsgottesdienste gefeiert.  In dieser Urkunde  ist  hauptsächlich die Lehre  vom  Abendmahl und die Form des Abendmahls geregelt.  So heißt es  zum Abendmahl:

"Es soll in Zukunft weißes, in längliche Stücke geschnittenes Brod gebraucht, von dem Geistlichen gebrochen und, so wie der Kelch, den Kommunikanten in die Hand gereicht werden."

Sehr schön ist auch § 9:

"Endlich erklärt sich die evangelisch-protestantische Kirche in Rheinhessen mit
allen sowohl bereits vereinigten, als noch zur Zeit getrennten evangelisch-
lutherischen und evangelisch-reformierten Kirchen des In- und Auslandes,
unbeschadet ihrer besonderen Institutionen, innigst verbunden. "

Aber lesen Sie den Text der Urkunde doch einfach selbst. Und achten Sie auf die Wortwahl: Es ist einmal von der "evangelisch-christlichen Kirche" und einmal von der "evangelisch-protestantischen Kirche" die Rede.