Vortrag Horst Kasper 09.04.2013

In der vergangenen Sitzung am 9. April drehte sich bei Historia Mommenheim alles rund um das Thema „jüdische Friedhöfe“. Der Geschichtsverein begrüßte hierzu den Bodenheimer Heimatforscher Horst Kasper, der aufgrund „seiner intensiven, langjährigen Forschungen zum jüdischen Leben in Bodenheim und als maßgeblicher Initiator der dortigen „Stolpersteine“ zur Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes“ ein ausgewiesener Experte zum Thema sei, wie die stellvertretende Vorsitzende, Nina Klinkel, den Referenten vorstellte. Im Zentrum des Vortrages stand die Geschichte des jüdischen Friedhofes in Bodenheim, einem von 60 rheinhessischen jüdischen Dorffriedhöfen, die Kasper einbettete in Erläuterungen zu den Anfängen des jüdischen Lebens in Bodenheim und zur jüdischen Bestattungskultur. Historisch wurde hierbei der Bogen vom 19. Jahrhundert, in dem Bodenheim noch eine Synagogengemeinde mit Nackenheim bildete, in der seit 1883 Beerdigungen auf dem lokalen Friedhof vorgenommen wurden, über die Verwüstungen auf dem Friedhof in der Zeit des Nationalsozialismus, den ersten Wiederherstellungsarbeiten 1945 bis hin ins Jahr 2007 geschlagen, als auf Vorschlag Kaspers und mit Genehmigung des Landesamtes für Denkmalpflege und natürlich der jüdischen Gemeinde Mainz, der Eigentümerin der Stätte, die Westseite des unter Denkmalschutz stehenden Friedhofes völlig neu gestaltet wurde. Ebenso schilderte Kasper die Geschichte seiner mehr als drei Jahrzehnte andauernden Recherchen, die ihn in Kontakt mit Nachfahren jüdischer Bodenheimer auf der ganzen Welt brachten. Auch die praktischen Probleme, wie die Übersetzungen der hebräischen Grabinschriften, die es in Kooperation mit Experten zu bewältigen galt, thematisierte er. Der Inhalt der Inschriften, die Aussagen über das Leben der Verstorbenen treffen und die künstlerische Gestaltung der Grabsteine selbst, bildeten sodann ein eigenes Unterkapitel des Vortrages.

Die Ergebnisse und Dokumentationen seiner Forschungen zum Bodenheimer Friedhof, dem nach dem Abriss der Synagoge 1965 als „einziges noch erhaltenes Zeugnis aus der Zeit der israelitischen Religionsgemeinde Bodenheim“ eine wichtige Bedeutung zukomme, wie Kasper unterstrich, veröffentlichte der Heimatforscher in Buchform(Horst Kasper: „Der jüdische Friedhof in Bodenheim und die Schicksale der ehemaligen Bürgerinnen und Bürger von Bodenheim und Nackenheim“). – Der meist einzigen Möglichkeit der langfristigen Erhaltung des Friedhofes, da eine Konservierung der Sandstein-Grabmäler aus religiösen Gründen meist nicht möglich ist. Im Anschluss an den Vortrag wurden interessante Diskussionen geführt, in denen auch der jüdische Friedhof in Mommenheim eine Rolle spielte. „Für uns stellte sich natürlich auch die Frage, ob sich Parallelen von Bodenheim nach Mommenheim ziehen lassen und wir freuen uns sehr, dass Horst Kasper uns Fragen zu möglichen Quellenfundorten beantworten konnte und seine Hilfe angeboten hat“, erläuterte der Vorsitzende des Vereins, Ludwig Kranz. Die Dokumentation des Mommenheimer jüdischen Friedhofs bilde nun eine Aufgabe, der sich der Verein im Rahmen der Erforschung und Erhaltung der vielfältigen Kulturgeschichte des Ortes widmen werde, waren sich die Mitglieder einig.

 

Wir danken dem Referenten für die Überlassung seines Manuskriptes, das Sie hier als PDF ansehen können.