100 Jahre 1. Weltkrieg - Spurensuche in Mommenheim

Eine Grabung, ein Vortrag und ein aufgeschnittener Betonbrocken

Im 1. Weltkrieg wurde auch auf Mommenheimer Gebiet eine Befestigungsanlage errichtet. Diese musste Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts auf Anordnung der Siegermächte gesprengt werden. Die Überreste wurden eingeebnet und es wuchsen etwa 90 Jahre lang Reben über dieser Stelle. Nun läuft hier gerade die Flurbereinigung. Bei dem zuständigen Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück war von einer Festung nichts bekannt. Das DLR hatte auch keine Hinweise von der Generaldirektion Kulturelles Erbe erhalten. Und auch die beteiligten Winzer und Bauern hatten keine Hinweise gegeben. Aber Hiltrud Hollich, die rheinhessische Kultur- und Weinbotschafterin und Mitautorin des "Bollwerk Mainz – Die Selzstellung in Rheinhessen", ein Buch zur Festungsgeschichte der Region im Ersten Weltkrieg, erkannte schnell, dass unter einem größeren Hügel des Geländes die Überreste eines Festungswerks liegen mussten.

Am Morgen des 14. Mai 2014 legte ein Bagger auf dem Endberg nun die Reste dieser Befestigungsanlage kurzfristig teilweise frei, wie auf den beigefügten Bildern zu sehen ist. Nach Vermessung der freigelegten Stelle wurde diese wieder verfüllt. Drei größere Betonfragmente werden zwischengelagert. Diese sollen nach Abschluss der Flurbereinigung dazu verwendet werden, an diesen Teil der Mommenheimer Geschichte zu erinnern.

Bei einer bis auf den letzten Platz gefüllten Veranstaltung informierten Hiltrud Hollich, Elke Tautenhahn und Dr. Rudolf Büllesbach am 23. Mai 2014 über die Kriegsvorbereitungen und die Festungswerke in Mommenheim. "Der Krieg in den rheinhessischen Weinbergen war von den Militärs eingeplant und in Mommenheim haben wir es jetzt hundert Jahre später sehen können", war eine der Erkenntnisse dieser Veranstaltung. Wir bedanken uns bei den Autoren des Buches „Bollwerk Mainz“ für diesen interessanten Vortrag.

Herr Dr. Büllesbach hat die Informationen zu Mommenheim auf der Web-Site zum „Bollwerk Mainz“ zusammengestellt, auf die Sie mit diesem Link kommen. Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Büllesbach für diese Zusammenfassung.

Ich habe bei der Aktion einen Betonbrocken aufgesammelt, der auf einer Seite glatt ist und noch Farbe erkennen lässt. Der Brocken wurde aufgeschnitten. Es sieht so aus, dass im Kern der Wände oder Decken Beton mit Granit- und sonstigen Steinfragmenten verarbeitet wurde. Die sichtbaren Außenseiten wurden dann wohl mit feinerem Beton ohne Steinzusätze versäubert und anschließend gestrichen (s. Fotos).

Eine weitere Darstellung der Grabung und des Vortrages finden Sie hier.